Paradise now! – Musiktheater in der Johanneskirche

Anfang von Allem, Vokalisen der Schöpfung. Alles ist Klang. Wird Bewegung. In der Folge: Wasser rollen heran, Pflanzen entfalten sich. Seltsame Geschöpfe mit unterschiedlichen Bewegungsabläufen erscheinen. Alles in allem: ein kompletter, belebter Garten, sieh‘ an!

Wie vom Himmel gefallen spazieren zwei Kinder durch den Garten, an unterschiedlichem Ort, zu unterschiedlicher Zeit. Sie finden ins Freie und haben, jedes für sich, dieselbe Frage: Wieso bin ich hier? Und siehe da: Der Garten antwortet, er nennt sie beim Namen, lässt sie selbst Namen  vergeben, Namenloses gibts ja genug in dieser frühen Welt: Früchte für’s Mädchen, Tiere für den Jungen. Adam und Eva, Namenerfinder. Speisen und Spielen. Danke, Garten. Toller Job!

Ach ja. Auch Gott ist um die Wege. Und da er sich seit jeher darin gefällt, gute Geschichten in Gang zu setzen, lässt er sich nicht ungern in Martin Baltscheits Libretto zu „Paradise Now!“ mit einem Update einkleiden. Milde darf er sein, mehr Kommentator als Beweger, Verständnis und Mitleid sind seine Erscheinungsweisen. Außerdem darf er seine Person weise zurücknehmen, seine Schöpfung übernimmt die Kommunikation mit Adam und Eva. Auch dass er in der raffinierten Vollblütigkeit von Wolfgang Abendroths Komposition auftreten darf, wird er spannend finden.

Ein spannendes Projekt ist es auch für den Kinder- und Jugendchor der Akademie. Er hat es besser als der Chor, wie ihn die Antike verstand! Auch in „Paradise Now!“ darf kommentiert werden, aber darüber hinaus stehen alle Ausdrucksmittel zur Verfügung, die es braucht, ein Publikum zu begeistern: Eine wundervoll bildhafte, durchkomponierte Orchestrik, von den Sitzen hauende Rhythmik, Melodien, die unter die Haut gehen oder temperamentvoll mitreißen, ganz wie gewünscht. Ensembles und Solorollen treiben das Geschehen weiter, es bleibt ja nicht bei den Kindern Adam und Eva – sie werden nach ihren Abenteuern im Garten abgelöst von Adam und Eva als Jugendliche, zuletzt von erwachsenen Sängern. Für Chor und Publikum ein Bad an Gefühlen – und Einsichten! Denn das Geschehen entwickelt sich zu einer Schöpfungsgeschichte 2.0, zu einer Studie über das Erwachsenwerden an sich. Über Vertrauen, Liebe, Revolte und schließlich die Entlassung in die Eigenverantwortlichkeit.

Justine Wanat führt ihre Chöre durch all diese inhaltlichen Facetten, atmosphärisch, lautmalerisch, vom reinen Hauch bis in die Wucht des ganz großen Klangs, immer rhythmisch perfekt im Puls der Musik. Auch die oft jahrelange Arbeit von Justine Wanat und ihrem Team, solistische Leistungen sorgsam herauszubilden, ermöglicht Auftritte wie die gezeigten in Paradise Now!. Mehr kann man nicht darüber sagen. Das muss man erleben!

Eine neue Herausforderung für die jungen Sängerinnen und Sänger ist die choreografische Arbeit mit Takao Baba und seinem Team, dessen gestalterische Arbeit durchgehend mit der gesanglichen Leistung verwoben ist. Filigrane gestische Abläufe der Einzelfiguren, impulsive Führung der Gruppen und die koordinierten, auf einander aufbauenden Bewegungen der Gesamtheit waren für alle eine Erfahrung, die nachhaltend deutlich macht, was Musiktheater at it‘s best ausmacht. (M.W.)

https://www.duesseldorf-festival.de/programm/detail/addr/paradise-now.html

Martin Baltscheit, Libretto
Wolfgang Abendroth, Komposition
Takao Baba, Inszenierung und Choreografie
Andreas Jüngermann, Lichtdesign
Christoph Mett, Trickfilm
Justine Wanat, Musikalische Leitung
Julia Wirth, Sopran
Tomas Kildisius, Bass
Solisten und Chöre der Akademie für Chor und Musiktheater an der Johanneskirche
Jugendkompanie tanzhaus nrw
Düsseldorf Festival Orchester

Eine Produktion des Düsseldorf Festival!
in Koproduktion mit der Johanneskirche Stadtkirche Düsseldorf

05.11.2022, 19 Uhr Premiere
06.11.2022, 18 Uhr
12.11.2022, 19 Uhr
13.11 2022, 18 Uhr

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